Artgerechte Pferdehaltung
Immer wieder erreichen uns Anfragen, wie denn artgerechte Pferdehaltung wirklich aussieht. Oberstes Gebot jeder Pferdehaltung muss sein, die Bedürfnisse der Pferde zu befriedigen:
- Bewegung: In freier Natur bewegen sich Pferde zwischen 10 und 16 Stunden. Pferde brauchen daher größtmöglichste Bewegungsfreiheit. Achtung: Die Anbindehaltung von Pferden ist verboten!
Ideal ist ein Offenstall, wo das Pferd selbstständig wählen kann, ob es sich im Freien oder im Stall/Unterstand aufhält.
Bei Boxenhaltung ist dem Pferd laut Mindestanforderungen für die Haltung von Pferden mehrmals wöchentlich freier Auslauf zu gewähren.
- Sozialkontakte: Pferde sind ausgesprochene Herdentiere. Die Herde ist ihre Heimat. Jedes Pferd braucht daher die Möglichkeit Sozialkontakte mit Artgenossen aufzunehmen.
- Gesundheit: Das Pferd ist auf ein Leben unter freiem Himmel eingestellt und braucht den Kontakt zu Licht und Luft genauso wie staubfreie Luft.
- Futter: Das Pferd hat einen für seine Größe sehr kleinen Magen, es muss daher über den Tag verteilt genügend Futter in kleineren Mengen verfügbar sein.
Oftt melden besorgte Tierfreunde, dass Pferde „immer draußen“ sind. Grundsätzlich spricht nichts dagegen, Pferde 365 Tage im Jahr im Freien zu belassen. Sie brauchen aber eine überdachte, trockene und eingestreute Liegefläche mit Windschutz in einem Ausmaß, das allen Tieren ein gleichzeitiges ungestörtes Liegen ermöglicht. Pferde haben eine gute Temperaturtoleranz und können auch Minusemperaturen gut aushalten. Auch Schnee und Regen setzt ihnen weniger zu, als das ständige Stehen in einer Box in einem schummrigen und vielleicht zu warmen Stall. Pferde brauchen Klimareize für die körperliche Fitness und für die Stimulation des Immunsystem. Pferde in Offenstallhaltung sind robuster und abgehärteter als ihre Kollegen, die tagein tagaus in einer Box stehen und nur wenig ins Freie kommen.
Auch Schmutz auf Pferdekoppeln weist nicht immer auf Vernachlässigung hin. In der Übergangszeit und bei heftigem Regen kann der Boden durchaus tief werden. Trotzdem sollte den Pferden immer eine feste Fläche zur Verfügung stehen. Vor allem der Fütterungs- und Tränkebereich muss befestigt sein.
Viele Tierfreunde erfreuen sich auch daran, dass sie Pferde auf Koppeln füttern und dann oft von den Besitzern heftig ausgescholten werden. Zu recht, denn das Verdauungssystem der Pferde ist sehr empfindlich. So kann die Gabe von Kohlarten oder nicht ordnungsgemäß getrocknetes Brot zu schwersten Koliken führen, die sogar den Tod des Tieres zur Folge haben kann. Pferde daher niemals füttern, außer der Besitzer erlaubt es ausdrücklich.
Zu guter Letzt ist aus Tierschutzsicht noch folgendes anzumerken: zu viele Menschen schaffen sich ein Pferd an, ohne viel nachzudenken. Ein Pferd zu haben, ist etwas Besonderes und vor allem Kinder und Jugendliche drängen ihre Eltern oft ihnen ein Pferd zu kaufen. Die "Erhaltungskosten" für ein Pferd sind aber vergleichsweise sehr hoch, die Verantwortung ebenso. Und: man muss viel Zeit für ein Pferd haben.
Zu oft erhalten wir Anrufe des Inhalts, dass Pferde nicht mehr behalten werden können, weil sich die Lebensumstände des Besitzers geändert haben und plötzlich keine Zeit und kein Geld für das Tiere mehr vorhanden ist. Das Pferd muss weg, soll aber ja nicht zum Schlächter oder in schlechte Hände. Hier entledigen sich viele Besitzer ihrer Pferde auf die bequemste Art: einfach den Tierschutz anrufen - der ist dann im Zugzwang, denn welcher Tierschutzverein will schon verantworten, dass ein Tier sterben muss. Selbstverständlich wird geholfen; dem Pferdebesitzer ist oft gar nicht bewußt, welche Unsummen an Kosten er damit dem Tierschutz aufbürdet! Daher: ein Pferd bitte nur dann anschaffen, wenn gesichert ist, dass für die Lebensdauer des Pferdes ausreichend Geld, Zeit und Liebe (!) vorhanden ist.
6. 5. 2011
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